Untersuchungen zur Archäologie und Landschaftsgeschichte der Prä-Angkor-Periode im Mekong-Delta - Südostasien

Im Frühjahr 2007 wurde im Dorf Prohear eines der reichsten vorgeschichtlichen Gräberfelder Südostasiens entdeckt und nahezu restlos ausgeplündert. Im Mai 2007 wurde die Grabräuberei durch einen Archäologiestudenten beobachtet und dem Ministerium für Kultur und Kunst und den Kollegen des Memot-Centres/Phnom Penh gemeldet. Der Platz wurde von Archäologen aufgesucht, doch der Versuch, die Plünderei zu stoppen, blieb erfolglos. Bis Anfang 2008 hackten Dorfbewohner die Funde aus der Erde und verscherbelten sie an Mittelsmänner. In einem knappen Jahr sind unzählige Gräber aus dem ersten Jahrtausend u. Z. systematisch 'abgestochen' worden. Hunderte Goldobjekte und viele Dutzend Bronzetrommeln versickerten sofort in den illegalen Kunsthandel.     
Die im Juni 2007 vom DAI unverzüglich angebotene Soforthilfe zu einer kambodschanisch-deutschen Ausgrabung konnte nicht greifen, weil die Grabungsgenehmigung erst im November 2007 erteilt wurde. Von der Plünderei weitestgehend verschont blieb lediglich der gemeindeeigene, viel befahrene Dorfweg von 4 m Breite. Dieser Weg war das Ziel der ersten archäologischen Ausgrabungen von Februar bis Mai 2008. Gemeinsam mit dem Memot-Centre führte die Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts im April/Mai 2008 eine Rettungsgrabung von 24 Gräbern direkt auf dem Hauptweg inmitten des Dorfes durch.     
Im Südosten Kambodschas ist die Anzahl untersuchter spätbronze-eisenzeitlicher Gräberfelder des 1. Jahrt. v. Chr. und 1. Jahrt. n. Chr. noch immer sehr gering und der Einblick in die kulturelle Entwicklung lückenhaft. Mit Angkor Borei (Provinz Takao) und Krek 10.8 (Provinz Kampong Cham) gelang es in den letzten zehn Jahren rund 100 Bestattungen des 4. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr. mit zahlreichen Beigaben nachzuweisen. Weitere 50 Gräber von Go O Chua vermitteln einen ganz anderen Eindruck von der Spätphase der Prä-Angkor-Periode (Das vorgeschichtliche Salzsiedezentrum und das Gräberfeld von Go O Chua in Südvietnam <http://www.dainst.org/index_657_de.html>      
Das Gräberfeld Prohear übertrifft mit seinen außerordentlich reichen Beigaben alle Erwartungen. Die Gräberfelder dieser Region zeigen klare kulturelle Gemeinsamkeiten (z.B. Pokale gleicher Form und Verzierung), aber auch verblüffende lokale Besonderheiten. So ist der Goldreichtum Prohears mit keinem anderen dieser Gräberfelder zu vergleichen, und auch die reiche Ausstattung mit Bronzetrommeln ist im Süden Südostasiens außerhalb der Dong-Son-Kultur bisher einmalig. Dagegen zeigt Angkor Borei mit seinen vielen orangefarbenen, polierten Gefäßen des 2. Jh. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr. sehr eigenwillige Züge.     
In Prohear wird es in den nächsten Jahren einerseits darum gehen, so viele Gräber wie möglich zu bergen, andererseits die dabei entdeckten Funde im Zusammenhang mit den ebenfalls reichen Gräbern wie z.B. von Giong Lon in Südvietnam auszuwerten, wo kürzlich die bisher einzigen Goldmasken Vietnams aus dem 1. Jh. v. Chr. entdeckt worden sind.  Bild vergrößern
Deutsches Archäologisches Institut

Kambodschanische Forschungspartner sind Archäologen des Memot-Centres in Phnom Penh (Vin Laychour und Seng Sonetra). An der Restaurierung wirkt Heng Sophady vom Memot Centre mit (Memot-Centre <http://memotcentre.org/>
Wissenschaftliche Zusammenarbeit:
Prof. Dr. Norbert Benecke, Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts (Zoologie <http://www.dainst.org/index_4583_de.html>
Dr. Bernd Kromer (Forschungsstelle Radiometrie am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg <http://www.iup.uni-heidelberg.de/institut/forschung/groups/fa/radiokohlenstoff/radiometrie-web-html>

Deutsches Archäologisches Institut (DAI)