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27.04.2017 22:00

Wie Deutschland wohnt

Freitag, April 28, 2017 - 00:00
Deutsche Gemütlichkeit? Wie das typische Wohnzimmer aussieht und welches Möbelstück unverzichtbar ist.

Deutschland. 4ZKB – das ist der Code einer typisch deutschen Mietwohnung. Übersetzt: vier Zimmer, Küche, Bad. Ein zweites B am Ende bedeutet ein Stück Luxus: Dann hat die Wohnung auch einen Balkon. Der übliche Grundriss ist ein Flur mit Garderobe, daran angrenzend, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche und Bad.

Wer Deutsche zuhause besucht, wird im Flur empfangen. Dort stellt sich die Frage Schuhe ausziehen oder anbehalten? Dann wird der Besuch ins Wohnzimmer gebeten, nimmt auf dem Sofa Platz und sinkt direkt in die deutsche Wohngemütlichkeit hinein. Für individuellen Touch sorgen Fotos, Bilder, Zimmerpflanzen und Dekoration, die oft viel über Persönlichkeit der Bewohner verraten. Die weiße Raufasertapete ist nicht mehr die Norm, Mut zur Farbe ist angesagt.

My Home is my Sofa

Das Sofa ist einer Umfrage zufolge das Lieblingsmöbelstück. Auf dieser Insel der Gemütlichkeit verbringt der Durchschnittsdeutsche täglich drei Stunden. Auch ein Flachbildfernseher gehört zum typischen Inventar und bildet eine Achse mit Couchtisch und Sofa. Dagegen verschwinden die wuchtigen Schrankwände aus der deutschen Wohnlandschaft. Sie werden überflüssig, weil sich Bücher, Video- und CD-Sammlung digital speichern lassen.

Derzeit erlebt die Küche eine Renaissance als kommunikativer Treffpunkt. Wer Platz genug hat, stellt einen großen Esstisch für gesellige Runden in die Mitte. Kochen mit Freunden wird als Event zelebriert.

In Deutschland sind Wohnhäuser unterkellert. Praktisch, denn im Keller lässt sich verstauen, was in der Wohnung keinen Platz findet. Auch zu einer Mietwohnung gehört meistens eine Abstellkammer im Keller.

Viele Deutsche empfinden ihre Wohnung als privaten Rückzugsort. Vor ihre Fenster hängen sie Gardinen, ihre Gärten fassen sie mit Zäunen ein. Spontane Besuche sind eher unüblich, selbst enge Freunde kündigen sich vorher an.

Wohnalltag und Wohnträume

© dpa

Die meisten Deutschen wohnen in Mehrfamilienhäusern zur Miete – doch viele hätten am liebsten ein eigenes Häuschen mit Garten. Weil die Immobilienpreise in Ballungsgebieten seit einigen Jahren steil steigen, ist ein Eigenheim für viele nur noch auf dem Land erschwinglich. Wer im Grünen wohnen will, muss oft weite Anfahrtswege zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen.

Aber mit etwas Mut und Improvisationstalent können außergewöhnliche Wohnträume Wirklichkeit werden. Zum Beispiel Wohnen auf dem Wasser. An Gewässern rund um Berlin, Leipzig und Hamburg sind in den vergangenen Jahren einige Hausbootkolonien entstanden.

© dpa; dieter76/Fotolia

Mehr Platz in kleinen Räumen

Seit der Nachkriegszeit hat die Wohnfläche immer weiter zugenommen. Aktuell stehen jedem in Deutschland im Durchschnitt 46 Quadratmeter zur Verfügung. Aber in den Großstädten wird Wohnraum immer knapper und teurer. Wer in einem begehrten Stadtviertel leben will, begnügt sich mit weniger Platz. Wohnideen für kleine Räume liegen deshalb im Trend.

Teure Studentenbuden

Vor allem für Studenten sind die hohen Mieten in den Universitätsstädten eine  finanzielle Belastung. In München müssen sie für eine typische Studentenbude mit 30 Quadratmetern 634 Euro Monatsmiete aufbringen. Nur etwa die Hälfte bezahlen Studierende in Leipzig. Aber selbst ein Zimmer in einer WG ist zu Semesterbeginn oft begehrte Mangelware.

Sind Tiny-Houses die Lösung? Eines der meistbeachteten Projekte ist das 100-Euro-Haus, das der junge Architekt Van Bo Le-Mentzel am Bauhaus Campus Berlin entworfen hat.

Noch ist dies eine Utopie. Sicher ist: Deutschland braucht für eine Gesellschaft im Wandel neue, flexible Wohnmodelle – von der preisgünstigen Studentenbude bis hin zu altersgerechten Wohnungen.

Fakten zum Wohnen in Deutschland

  • 54 Prozent der Deutschen wohnen zur Miete – so viele wie in keinem anderen Land in Europa. Nur etwa 46 Prozent besitzen ein Haus oder eine Wohnung.
  • Die Mietkosten betragen je nach Region ein Viertel bis ein Drittel des monatlichen Einkommens.
  • München ist die Stadt mit den höchsten Mieten, gefolgt von Frankfurt und Stuttgart.
  • Im Durchschnitt hat jeder Einwohner 46,2 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.
  • Die meisten Deutschen wohnen in Mehrfamilienhäusern mit bis zu zehn Wohnungen. Etwa ein Viertel wohnt in größeren Wohnblocks oder Hochhäusern, ein Drittel in Einfamilienhäusern.
  • Statistisch gesehen leben in einem Haushalt zwei Personen.
  • Etwa jeder sechste Deutsche wohnt allein.
  • In nur 0,5 Prozent aller Haushalte in Deutschland leben drei oder mehr Generationen unter einem Dach.

Wie isst Deutschland

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